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Tyrosinkinase-Inhibitoren

Tyrosinkinase-Inhibitoren


Tumorzellen unterscheiden sich von gesunden Körperzellen unter anderem darin, dass sie sich ungebremst teilen. Sie reagieren nicht mehr auf die natürlichen Stoppsignale des Körpers. Die Signalwege, die normalerweise regulieren, wann und wie oft sich eine Zelle teilt, sind bei Krebszellen oft überaktiv. Daher bekommt die Krebszelle ständig das Signal, sich zu teilen. Dies kann zum Beispiel an bestimmten genetischen Veränderungen der Krebszellen liegen. Durch die Identifizierung der genauen Mechanismen konnten Wissenschaftler die Tyrosinkinase-Inhibitoren zielgenau entwickeln, welche diese Signalwege blockieren und so das Tumorwachstum bremsen. Welche Mechanismen in Krebszellen aktiv sind, kann sich von Tumor zu Tumor stark unterscheiden. Um diese zu bestimmen, ist eine vorherige molekulargenetische Untersuchung notwendig. Erst danach kann der Arzt/die Ärztin festlegen, ob und wenn ja, welche Tyrosinkinase-Inhibitoren infrage kommen. Passend zu Ihrer Mutation erhalten Sie dann den entsprechenden Tyrosinkinase-Inhibitor, wie zum Beispiel einen Inhibitor für die EGFR-, die ALK- oder die ROS1-Tyrosinkinase.

Wie genau wirken Tyrosinkinase-Inhibitoren? Um sich zu teilen, brauchen Zellen ein Signal. Dieses Wachstumssignal nehmen sie in der Regel von aussen über Andockstellen (Rezeptoren) auf. Die Rezeptoren leiten das Signal in das Innere der Zellen weiter und lösen dort die Zellteilung aus (1). Für die Signalweiterleitung im Zellinneren sind unter anderem bestimmte Moleküle, sogenannte Tyrosinkinasen, verantwortlich. Das können Sie sich wie einen Telefonanruf vorstellen: Jedes Mal, wenn ein Anruf von aussen mit dem Signal „Zellteilung“ kommt, gibt der Empfänger – die Tyrosinkinase – des Anrufs die Nachricht weiter und die Zelle teilt sich. Sind die Tyrosinkinasen dauerhaft aktiviert, bekommen die Zellen ständig das Signal zur Zellteilung – es bilden sich immer mehr Krebszellen und der Tumor wächst.25 Tyrosinkinase-Inhibitoren sind Arzneistoffe, die so klein sind, dass sie ins Innere der Zellen gelangen. Dort setzen sie sich gezielt auf die Tyrosinkinasen und blockieren sie. Sie verhindern also, dass der Empfänger die Nachricht weitergibt (2). Die Tyrosinkinasen können keine Wachstumssignale mehr weiterleiten und die Krebszellen teilen sich nicht mehr und sterben ab.

Tyrosinkinase-Inhibitoren gibt es als Tabletten, die Sie zu Hause einnehmen können. Bei Lungenkrebs können beispielsweise EGFR-, ALK-, und ROS1-Mutationen mit Tyrosinkinase-Inhibitoren behandelt werden.13 Diese Therapieoption kann mit anderen Krebstherapien kombiniert werden, wie beispielsweise einem Angiogenese-Inhibitor.

Ob und welche Nebenwirkungen auftreten, hängt von dem Präparat ab und ist bei jedem Menschen unterschiedlich. Folgende Nebenwirkungen könnten Sie bei Tyrosinkinase-Inhibitoren bemerken:

  • Akne-ähnlicher Hautausschlag (Rash)
  • Appetitmangel, Gewichtsverlust
  • Blutungen im Magen-Darm-Trakt oder Nasenbluten
  • Erkrankung der Nerven in den Armen und Beinen
  • Schwindel
  • Sehstörungen
  • Veränderungen des Blutbilds
  • Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung

Wenn Sie eine oder mehrere dieser Nebenwirkungen bei sich feststellen, informieren Sie Ihr Behandlungsteam. Viele Nebenwirkungen der Therapie lassen sich medikamentös gut behandeln.

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